Häusliche Gewalt bekämpfen - Opferschutz durch Anti-Gewalt-Training

ID: 342
Erstellt von TinaGröbmayr am 06.01.2019 um 13:31 Uhr
Ordnung, Sicherheit, Bürgerdienste Soziales

Ab 2019 soll es im Zuständigkeitsbereich der Staatsanwaltschaft Freiburg (Stadtkreis Freiburg, Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, Landkreis Emmendingen) wieder ein Angebot für ein Anti-Gewalt-Training für erwachsene straffällige Täter*innen häuslicher Gewalt (HG-Täter*innen) geben. Ein derartiges Angebot gibt es seit Ende 2017 nicht mehr, trotz 448 angezeigten Fällen häuslicher Gewalt im Jahr 2017. Auch für das derzeit angebotene Anti-Gewalt-Training für allgemeine Gewalttäter*innen wird dringend eine Aufstockung benötigt, um das Angebot dem Bedarf anzupassen. Hierfür soll unter der Trägerschaft des Bezirksvereins für soziale Rechtspflege Freiburg eine neue Beratungsstelle mit einem umfangreichen Anti-Gewalt-Trainingsangebot und ergänzender Beratung mit zwei Sozialarbeiter*innen mit Zusatzqualifikation in Teilzeit (je 50 %), unterstützt durch eine Verwaltungskraft in Teilzeit (50 %) aufgebaut werden.

Adressat*innengruppe und Grundkonzept:
Ca. 80 HG-Täter*innen (überwiegend Männer) pro Jahr, die vorrangig in Gruppenarbeit und ergänzend in Einzelarbeit ein Anti-Gewalt-Training (in etwa 15 Gruppentermine à 2,5 Stunden, zuzüglich vorbereitenden und nachbereitenden Einzelgesprächen) nach den fachlichen Standards der Bundesarbeitsgemeinschaft „Täterarbeit Häusliche Gewalt“ durchlaufen. Diese zeitlich begrenzten, kognitiv-verhaltensorientiert, gewaltzentriert und konfrontativ arbeitenden Programme sind notwendiger Bestandteil einer jeden staatlichen Kriminalprävention in der Interventionskette bei Häuslicher Gewalt, um einen umfassenden Opferschutz zu gewährleisten. Das daneben weiterhin angebotene allgemeine Anti-Gewalt-Training soll den Bedarf für ca. 40 Gewalttäter*innen pro Jahr aus dem Zuständigkeitsbereich der Staatsanwaltschaft Freiburg abzudecken im Stande sein.

Angestrebt ist eine Kostenbeteiligung aller AGT-Teilnehmer*innen mit einem Eigenanteil von 180 € pro Kurs.

Gesamtkosten 2019: ca. 124.893 €, abzüglich Einnahmen von ca. 10.800 € (Kostenbeitrag je Teilnehmer*in von 180 € x 60 Teilnehmer*innen)
→ Förderbedarf 114.093€
Zuschussanteil der Stadt Freiburg: 57.047 €

Gesamtkosten 2020: ca. 104.800 €, abzüglich Einnahmen von ca. 21.600 € (Kostenbeitrag je Teilnehmer*in von 180 € x 120 Teilnehmer*innen)
→ Förderbedarf 83.200 €
Zuschussanteil der Stadt Freiburg: 41.600 €

Kommentare (17)

Moderation

Kommentar der Moderation
ID: 3.224 01.03.2019 15:20

Zu diesem Vorschlag gibt es Änderungsanträge der Fraktionen Grüne, SPD, UL, JPG und FL/FF (s. https://www.freiburg.de/haushalt > Haushaltsberatungen > OZ 329-333).

SummerCat

ID: 3.029 27.01.2019 16:11

Das scheint mir jedenfalls deutlich hilfreicher um Gewalttaten zu vermeiden als ein ausgeweiteter Ordnungsdienst, der eine Sicherheit vorspiegeln soll, die durch ihn doch gar nicht gewährleistet werden kann. Wie sollen die Ordnungsleute sich denn zufällig immer da aufhalten, wo gerade jemand dabei ist gewalttätig zu werden? Ganz davon abgesehen, daß sie bei Gewalt, die im eigenen Zuhause stattfindet, ohnehin keine Eingriffsmöglichkeit haben...

Monika

ID: 2.016 21.01.2019 22:56

Prävention ist vor allem eine Investition im Kontext von nachhaltiger Wirksamkeit zu sehen. Strafverfolgung ist aufwendiger und auch eher im Bereich von Ausgaben als im Bereich Investition einzuordnen.

Doktor Who

ID: 1.968 21.01.2019 18:47

Wer ist denn der Träger dieses Antrags und warum soll die Stadt für die Staatsanwaltschaft ein Programm bezahlen? Die Justiz hat doch selber Geld. Da gibt es deutlich bessere Projekte, die gefördert werden sollten.

TinaGröbmayr

ID: 2.008 21.01.2019 22:18

Der Träger steht im Text. Der Bezirksvereins für soziale Rechtspflege Freiburg ist eine rein ehrenamtlich geleitete Einrichtung der freien Straffälligenhilfe. Derzeit betreiben wir drei Projekte: eine Anlaufstelle für Haftentlassene, ein Arbeitsprojekt für Haftentlassene als sinnstiftende, tagesstrukturierende und integrierende Maßnahme und die Einsatzvermittlung in gemeinnützige Arbeit (EinsA), womit Menschen, die Geldstrafen nicht zahlen können, vor einer noch teureren Inhaftierung bewahrt werden können, indem sie gemeinnützige Arbeit leisten.
Das vorliegende Projekt bauen wir nicht für die Staatsanwaltschaft auf, sondern für die Menschen, die dringend auf eine solche Maßnahme angewiesen sind, weil die Staatsanwaltschaft in vielen Fällen mit ihren Möglichkeiten nicht zu einer Beendigung der Gewalt beitragen kann. Das Projekt entsteht wegen des von Opferschutzverbänden sehr beklagten Wegfalls eines, bis Ende 2017 existierenden, ähnlichen Angebots von pro familia. Seit dem Wegfall sind die Fallzahlen häuslicher Gewalt wieder angestiegen. Der Bezirksverein hat sich bereit erklärt, dieses Projekt zum Schutz und zur Vermeidung von Opfern wieder zu beleben. Und das geht nur durch die beantragten kommunalen Gelder. Wenn Sie für die Förderung von Wendepunkt e.V. sind, dann sollten Sie auch diesen Antrag unterstützen. Für einen effektiven Opferschutz braucht es beide Projekte!

Lou

ID: 1.179 16.01.2019 11:01

Seit über einem Jahr gibt es keine Angebote mehr... Danke, dass ihr das verändern möchtet!

Werner Ehinger

ID: 824 13.01.2019 16:16

Ein "not-wendiges" und sinnvolles Angebot,
das Leid verringern oder verhindern kann.

Gänseblümchen

ID: 742 12.01.2019 21:30

Häusliche Gewalt findet häufiger statt als man denkt. Und es sind Frauen aus allen (!) sozialen Schichten, mit jeglicher Herkunft, mit jeglichem Einkommen und mit jeglichem Bildungsstand betroffen. Deshalb sollte gehandelt werden und vor allem präventiv etwas dagegen getan werden!

KH

ID: 538 10.01.2019 09:14

Ein absolut wichtiges Projekt, das unbedingt unterstützt werden sollte.

TinaGröbmayr

ID: 475 08.01.2019 14:23

Und hier noch ein Artikel zum Thema: https://www.badische-zeitung.de/freiburg/gewalttaetigkeit-ist-nicht-angeboren
Der Bedarf ist groß!

Annette

ID: 1.748 20.01.2019 08:26

Sehr guter Artikel, und der Bedarf ist besonders in der heutigen Zeit sehr wichtig.