Zwei Trends haben Gärtner in den letzten Jahren in Freiburg bewegt:
- Urban Gardening blühte an verschiedenen Orten, z.B. vor dem Theater.
- Kleingärten verschwanden und wurden nicht adäquat ersetzt, z.B. in den Gutleutmatten. Erst zögerlich werden neue Gärten gebaut.

Beide Trends kann man zumindest teilweise positiv sehen (mehr Wohnraum!). Mit den Kleingärten verschwanden aber auch Identifikationspunkte. Außerdem können Schrebergärten für Einkommensschwache sehr wichtig sein. Gleichzeitig zeigte sich auch das Bedürfnis großer Teile der Stadt an Gartenflächen. Dies sollte gefördert werden:

1) Umwandlung von Wald und Landwirtschaft in Kleingärten und Flächen für Urban Gardening

2) Verteilung der Kleingärten, sowohl nach "zufälligen" Kriterien, als auch nach sozialen Kriterien. Zum Beispiel kann ein Drittel der Gärten an Einkommensschwache oder Familien, ein Drittel an Projekte mit mehreren Beteiligten und ein Drittel "frei" vergeben werden. "Projekte" können beispielsweise Lernprojekte, Freundeskreise oder auch Schulklassen sein.

3) Vergabe der Hälfte der Kleingärten mit einem Rotationsprinzip von 3 oder 5 Jahren.

Wohnraum sollte weiterhin die klare Priorität Nr. 1 sein - eben deswegen brauchen wir neue Kleingärten.
Die Waldfläche hat seit 1950 übrigens stetig zugenommen, dabei sind einige Wälder hinsichtlich des ökologische Werts (Biodiversität etc.) gegenüber Kleingärten als geringer einzustufen. Außerdem sollte eine zentrale, kompakte Stadt wie Freiburg wachsen, damit in der Regio nicht ein noch größerer Flächenfraß stattfindet. Deshalb brauchen wir neue Kleingärten.

Natürlich ist dieser Vorschlag offen für Diskussion und noch längst nicht ausgegoren, bitteschön.

Foto: Lizenz CC0

Kommentare (16)

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Walther

ID: 5.636 20.01.2021 16:04

Gärten für alle (!) in der Stadt verteilen - aber keine Bäume dafür abholzen!

Timo

ID: 6.592 25.01.2021 09:04

Ganz genau!

Dagobert

ID: 5.494 18.01.2021 21:56

Wald in Gärten umwandeln - im ernst? - kann das ökologisch sinnvoll sein?

Stadt Freiburg

Kommentar der Moderation
ID: 4.903 12.01.2021 17:02

Hallo Sehr_Gerne,
wir haben den Vorschlag an das zuständige Garten- und Tiefbauamt weitergeleitet und folgende Antwort erhalten:

Bislang wurden freie Gärten anhand des Ranges auf der Warteliste des Garten- und Tiefbauamtes (GuT) vergeben. Inwieweit noch andere Faktoren herangezogen werden sollten, ist zu prüfen.
Wichtig ist in jedem Fall, dass die Vergabe transparent und nachvollziehbar, auch für nicht berücksichtigte Bewerber_innen, bleiben muss. Das wird das GuT mit dem Bezirksverband im Herbst diskutieren.
Das Thema "Projekte" wird im Rahmen des Konzeptes "Gärtnern in Freiburg" vom GuT bereits mitgedacht und bei der Realisierung der neuen Kleingartenanlage "Moosacker III" die entsprechende Berücksichtigung finden.

Aktuell sind bis auf die Gewanne Kleineschholz und Lehener-Wanner (die beide auf Grund von Flächeninanspruchnahme zur Wohnraumschaffung mittelfristig umgenutzt werden) alle bestehenden Pachtverhältnisse unbefristet geschlossen. Das Bundeskleingartengesetz sieht hier keine Möglichkeit der Veränderung vor. Bei Neuvergaben städtischer Gärten könnte eine (Teil-) Befristung tatsächlich angedacht bzw. aufgenommen werden. Dieses Szenario gilt es jedoch zunächst zu prüfen und bei ggf. positiver Bewertung auch von den politischen Gremien bestätigen zu lassen. Ob Vereinsgärten befristet vergeben werden können, ist seitens der Vereine bzw. des Bezirksverbandes zu prüfen.

...und hier noch die Antwort aus dem Forstamt:
Wald hat eine sehr hohe ökologische Wertigkeit. Der Gesetzgeber hat Wald daher besonders geschützt. Die Umwandlung von Wald in andere Nutzungsarten wie Kleingärten ist nicht ohne weiteres möglich. Einerseits muss ein besonderes öffentliches Interesse an der Waldumwandlung gegeben sein, welches höherwertig ist, als das Interesse an der Walderhaltung, das dürfte bei Kleingärten schwierig zu begründen sein. Andererseits bedarf es eines Ausgleichs. das heißt an anderer Stelle ist wieder Wald aufzuforsten und zwar auf einer Fläche, die bisher kein Wald war. Aufgrund der Flächenknappheit in der Oberrheinebene gibt es so gut wie keine potentiellen Aufforstungsflächen. Nicht zuletzt muss das Regierungspräsidium die Umwandlung von Wald genehmigen und es bedarf auch planungsrechtlicher Grundlagen, wie entsprechende Festsetzungen im Flächennutzungsplan und ggfls. einen Bebauungsplan.

Mehr zum Thema: https://www.freiburg.de/pb/233244.html

Barbara

ID: 5.202 16.01.2021 00:18

Es ist nicht richtig, dass die 100 Jahre alten paradiesischen Gärten des Lehener Wanner "auf Grund von Flächeninanspruchnahme zur Wohnraumschaffung" umgepflügt werden. Es ist dort ein neu angelegter Park geplant. Wenn es schon im zugebauten Freiburg noch kleine grüne Inseln mit hoher Biodiversität und altem Obstbaumbestand gibt, so sollten diese geschützt und erhalten werden!

Sylvia

ID: 4.773 11.01.2021 13:41

Für wesentlich in der "Greencity" halte ich zudem die Planung von Neubauten mit Begrünung von Fassaden, bereits "eingebauten" Mulden für Grünpflanzen auf Balkonen und Loggien, Dachgärten. Unsere Neubauten sind öde Beton- und Glasflächen mit Uafheizcharakter. Der Gestaltungsbeirat hat nach meinem Empfinden in den letzen Jahren noch dazu beigetragen, da von mir als "auflockernd" empfundene Bauvorschläge abgelehnt wurden zu Gunsten weiterer Betonkästen mit uniformiertem "passendem" Bild.
Zudem werden Neubaugebiete eher von öden Grasflächen in Minformat umgeben, als von Blumenwiesen.
Zu überlegen wäre auch, die ungenutzten und wenige einladenden eingezäunten phantasielosen Kinderspielplätze an jeder Stadtecke umzumünzen in "urban gardening (mit Kinderbeteiligung). Vielleicht könnte man diese Flächen auch ausschreiben zur Nutzungspacht?

Sehr_Gerne

ID: 4.818 11.01.2021 22:02

Schöner Vorschlag! Wobei man auch auf die Baunebenkosten achten muß. Hier sind kreative Lösungen gefragt.

Clemens

ID: 4.657 09.01.2021 11:23

Wer pflanzt schon einen Baum, Sträucher und Hekcen, wenn er damit rechnen muss innerhalb der besten Erntezeit nach 10 bis 30 Jahren seinen Garten zu verlieren? Wer bezahlt dann die Arbeit?
Solche Gärten sind hochgradig unökologisch!
Soll ein Schrebergarten zur neuen Immobilie werden? Dies würde dem seit über einem Jahrhundert bewährten Konzept entgegenlaufen!

Sehr_Gerne

ID: 4.719 09.01.2021 23:59

Es müssen ja nicht alle Gärten rotiert werden. Zudem finden sich da Mittel und Wege, wie eine Satzung an Mindestgehölz oder eine verlängerte Nutzung bei besonderem Einsatz.
Eine Rotation nach dem Prinzip "wer zahlt am meisten" will glaube ich niemand.

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Barbara

ID: 4.518 05.01.2021 23:54

Bitte nicht Landwirtschaftsflächen gegen Kleingärten ausspielen - wir brauchen beides, und zwar dringend! Äcker UND Gärten müssen erhalten bleiben.

Andrea

ID: 4.459 05.01.2021 13:43

Wichtig ist es auch, bereits bestehende Kleingärtenanlagen von Gartenvereinen in Freiburg weiterhin bestehen zu lassen. Sie sind eine wichtige Stütze für die Insektenvielfalt. Gerade in den privaten Kleingärtenanlagen wird kaum bis wenig mit Pestiziden gearbeitet. Die Insekten werden nicht durch Pestizide getötet, wie dies in der gewerblichen Landwirtschaft der Fall ist.

Adyton

ID: 4.511 05.01.2021 22:04

Kleingärten sind in vielerlei Hinsicht eine wertvolle Bereicherung für unsere Stadt. Allerdings kann es nicht sein, dass "wenige Privilegierte" einen exklusiven, zeitlich unbefristeten städtischen Kleingärten für 24 € pro 100 qm erhalten. Hier muss dringend ein Rotationsprinzip her. Weiterhin muss die gärtnerische Nutzung klar im Vordergrund stehen. Reine Freizeitgärten erfüllen den Sinn und Zweck nicht und sollten von Seiten der Stadt auch nicht toleriert werden.

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