Betroffene von GEWALT - jung und betroffen von Gewalt- brauchen eine Stimme

Erstellt von Sandra Hürnheim am 05.10.2022 um 17:04 Uhr
Soziales

DER ANSPRUCH
Wer auf dem Hoheitsgebiet der Bundesrepublik Deutschland Opfer einer vorsätzlichen Gewalttat wird und dadurch eine gesundheitliche Schädigung erleidet, kann einen Anspruch auf Opferentschädigung geltend machen. Dies gilt auch für Hinterbliebene von Personen, die infolge der Gewalttat verstorben sind.
Das Hauptinstrument der Opferschutzpolitik der EU ist die Opferschutzrichtline. Ziel dieser Richtlinie ist es, sicherzustellen, dass alle Opfer von Straftaten in angemessenem Umfang Informationen, Unterstützung und Schutz erhalten und sich an einem eventuellen Strafverfahren beteiligen können.

DIE REALITÄT
Wie der OEG Report des Weissen Rings aufdeckt https://forum-opferhilfe.de/oegreport-tatort-amtsstube/, läuft einiges gar nicht und noch vieles mehr könnte ENTSCHEIDEND besser laufen.
Von 2010 bis 2019 stellten in Baden-Württemberg nur 13,95 % aller Geschädigten einen Antrag nach dem Opfer-Entschädigungs-Gesetz (OEG). Davon wurden nur 32,12 % der Betroffenen überhaupt anerkannt, die Ablehnungsquote lag bei satten 42,42%. 25,46% der Anträge erledigen sich aus sonstigen Gründen, wie Tod, Umzug, oder Zurückziehen des Antrags. Aber eine ausführliche Statistik und Evaluation wie die Gesetze in der Praxis umgesetzt werden, gibt es nicht.

FEHLENDE UND MANGELNDE BERATUNG DER STADT
Es fehlt an Wissen, Umsetzung und Kommunikation zwischen dem Landkreis Breisgau - Hochschwarzwald und dem Amt für Soziales. Es braucht Schulungsmaßnahmen im Amt für Soziales und Landratsamt Freiburg, insbesondere für die Kriegsopferfürsorgestelle damit die Betroffenen, die heute häufig nicht mehr Kriegsopfer aus dem Zweiten Weltkrieg sind, vom geltenden Recht überhaupt profitieren können. Viele Betoffene von Gewalt erfahren in den Behörden einen Gegner und keinen Verbündeten, der sie über ihre zustehenden Leistungen adäquat und an der psychischen Situation angepasst, berät. Es fehlt an Wissen, hoffentlich nicht Bereitschaft?!

KEINE ZEITNAHE UND BEDARFSGERECHTE HILFE
Alle Menschen brauchen eine Absicherung. Es braucht Informationsleistungen für Geschädigte schon direkt nach der Tat, nicht erst nach einer Diagnose.
Nach Antragstellung finden sich Betroffene häufig in zermürbenden jahrenlangen Verfahren wieder. Oft dauert es viel zu lange bis dringend notwendige finanzielle Entschädigungen bewilligt werden. Viele Betroffene von Gewalt berichten, dass das für sie wirtschaftlich wie psychisch nur schwer zu ertragen ist.
Ganz schon zu schweigen von fehlenden Therapieplätzen.

Jung und betroffen von Gewalt braucht noch etwas anderes. Selbst wenn alle Schritte des OEG greifen würden, und nicht nach 10 Jahren Widersprechen und Klagen am Sozialgericht enden, ist jeder Verwaltungsschritt für diese bunte Lebensphase viel zu langsam.
Wir brauchen schnelle, individuelle, flexible Hilfen. Kein Giesskannenprinzip, aber auch keine Antragsverfahren, welche zwei Jahre dauern
Wir brauchen keinen Kampf um die Opferentschädigung
Wir brauchen Menschen, die uns die fachgerecht begleiten, um an die Leistungen zu kommen.

INTERESSE DER STADT UND UNTERSTÜTZUNG DER STADT FEHLANZEIGE ?!
Als Mensch mit und ohne Behinderung kann ich mich an den Beirat für Menschen mit Behinderung wenden. Ich kann mich aktiv für Belange für Menschen mit Behinderung und auch für Inklusion einsetzen und meine Meinung einbringen. Ich habe eine starke kommunale Beauftragte für Menschen mit Behinderung im Rücken. Als Betroffene von Gewalt kann ich das zu diesen Belangen nicht. Als Betroffene von Gewalt ist zwar die Wahrscheinlichkeit in Folge der Taten an seelischer Behinderung und psychiatrischen Erkrankungen zu leiden immens hoch. Ich kann aber nirgendswo mich einsetzen und rückkoppeln, welche Hilfen dieses vielleicht verhindern würden.
Betroffene brauchen Unterstützung bei der Antragstellung, präventive Angebote, die sich an der Resilienz und Ressourcen der Betroffenen und ihrem Umfeld und Lebensalltag richten.

Daher fordern wir, dass die Stadt Freiburg in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Breisgau Hochschwarzwald einen Beirat für Menschen mit Gewalterfahrungen etabliert und Menschen mit Gewalterfahrungen aktiv anhört und sich ermöglicht einzubringen.

2019 gab es ein Projekt der Freiburger Bürgerstiftung «Strafraum- Absitzen in Freiburg». https://www.strafraum-freiburg.de/projekt/
Mit diesem Foto- und Informationsprojekt sollte dieser verdrängte Teil der Stadt für die Stadtbevölkerung „sichtbar“ gemacht und eine Auseinandersetzung mit Strafvollzug, Resozialisierung und den Wegen zurück in die Gesellschaft angeregt werden.

Wir Karin Eulentau und Sandra Hürnheim forden dieses Engagement für alle Betroffene von Gewalt auch.

Mein Vorschlag wäre...

Betroffene von Gewalt dann nur betroffen von Gewalt sind und keine Opfer des Opfer Entschädigungsgesetz werden!..

.... wir unterstützt werden bei der aktiven, zukunftsorientierten Lebensgestaltung und wir souverän unser Leben meistern können mit Gewalterfahrung.

.... die Herausforderung Weiterleben mit Gewalterfahrung dadurch gelingen kann.

Kommentare (18)

EvaMaria

ID: 11.104 06.10.2022 23:53

Finde ich total wúnchenswert, dass Menschen, die fremdverschuldet traumatisiert wurden, die ihnen zustehende Unterstützung und Anerkennung bekommen und nicht ein weiteres Mal Opfer werden von komplizierten und unempathischen Mühlen der Bürokratie und dem Verschieben von Verantwortungen

Eva

ID: 11.076 06.10.2022 22:17
Ich unterstütze den Vorschlag und finde, er sollte beim Dialog-Treffen diskutiert werden, weil...

Unfassbar, dass es so wenig präsent ist, welche inneren und äußeren existentiellen Schäden häufig die Folge für Gewaltbetroffene und auch für ihre Angehörigen sind.
Deshalb unbedingt unterstützen!!

Christian

ID: 10.937 06.10.2022 14:16
Ich unterstütze den Vorschlag und finde, er sollte beim Dialog-Treffen diskutiert werden, weil...

weil Opfer von Gewalt Unterstützung brauchen und eine offizielle Anerkennung ein wichtiger Baustein auf dem Weg der Genesung ist

Zebra

ID: 10.866 06.10.2022 08:57
Ich unterstütze den Vorschlag und finde, er sollte beim Dialog-Treffen diskutiert werden, weil...

siehe mein vorheriger Kommentar!

Zebra

ID: 10.860 06.10.2022 08:19

Es ist ein beschämender Skandal, dass wir überhaupt um solche eklatante Lücken in unserer Fürsorge für die sprechen müssen, die solche Erfahrungen machen mussten. Wir sollten es besser machen, weil wir es besser wissen und besser können. Und weil wir Menschen sind.

Tina Bo

ID: 10.849 06.10.2022 05:59
Ich unterstütze den Vorschlag und finde, er sollte beim Dialog-Treffen diskutiert werden, weil...

Gewaltopfer werden durch zermürbend lange Verfahren der jeweiligen Landesbehörde zu Leistungen nach dem OEG immer wieder retraumatisiert. Die Verfahren vor allen Instanzen der Sozialgerichtsbarkeit dauern nicht selten 10 Jahre und mehr. Eine Genesung der Gewaltopfer und der Wiedereintritt ins Erwerbsleben wird so nachhaltig und teils dauerhaft verhindert. Was den Überlebenden bleibt, ist die Grundsicherung und garantierte Altersarmut.
Das muß sich ändern!

Maria

ID: 10.840 06.10.2022 00:25
Ich unterstütze den Vorschlag und finde, er sollte beim Dialog-Treffen diskutiert werden, weil...

👍🏼

Ute

ID: 10.781 05.10.2022 21:54
Ich unterstütze den Vorschlag und finde, er sollte beim Dialog-Treffen diskutiert werden, weil...

👍

Meckiraupe

ID: 10.774 05.10.2022 21:33

Es ist an der Zeit daran etwas zu ändern!

Chiwal

ID: 10.767 05.10.2022 21:09
Ich unterstütze den Vorschlag und finde, er sollte beim Dialog-Treffen diskutiert werden, weil...

Bürokratie auf einen nötigen Minimum reduziert werden sollte, damit Hilfe Hilfe ist.